Studiomythen Teil3

Habe wieder mal was widerlegt. Oder zumindest beleuchtet.

https://m.bonedo.de/artikel/einzelansicht/studiomythen-widerlegt-plug-ins-koennen-analoge-hardware-ersetzen.html

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Luzie (2)

Lieber fremder Mann,

vielen Dank für Deine Antworten auf meine Fragen. Ich bin insbesondere deswegen besonders dankbar, weil ich ausführliche Reaktionen auf meine Fragen von ganz vielen Künstlerinnen bekommen habe, mit denen Mama befreundet ist. Leider konnten die mir die Welt nicht so gut erklären wie Du.

Du schreibst: „Was Deine Fragen angeht, so denke ich, dass Du die Antworten durchaus kennst, sie aber schlichtweg nicht wahrhaben willst“.

Ich muss schon sagen, ich bin heilfroh, dass ich mich so felsenfest auf Dein umfangreiches Wissen über die Welt verlassen kann, gerade da, wo es um Dinge geht, die meine Mutter und ihre Freundinnen studiert haben, Du aber nicht. Du weißt die Wahrheit. Da beruhigt es mich auch sehr, dass Du schreibst: „Besserwisserei ist nichts Geschlechtsspezifisches, auch wenn frau das gerne glauben möchte“. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht.
Eine weitere Wahrheit über die Welt beunruhigt mich allerdings ein bisschen.

„Geld fällt nicht vom Himmel, sondern muss erarbeitet werden.“ schreibst Du, „Erst danach kann man es verteilen. Wer Dinge tut, für die andere Geld bezahlen, bekommt es.“

Oh, das ist schön, dass es so einfach auf der Welt zugeht. Ich hatte mir das komplizierter vorgestellt. Ich mache aber mir ein bisschen Sorgen um die vielen Arbeitgeber, Vermieter, Vorstandsvorsitzenden, Politiker, Fabrikbesitzer, Aktionäre, Rentner und Erben, die es auf der Welt gibt. Ich hoffe, dass die nicht verhungern müssen. Ich finde, die Leute, die die ganze Arbeit machen, sollten denen ruhig etwas von dem vielen verdienten Geld abgeben, das sie offenbar haben. Andererseits finde ich es auch eine gute Nachricht, dass nur eigenhändige Arbeit reich macht und die Arbeit anderer Leute nicht. Das fände ich nämlich irgendwie ungerecht.

„Wenn Ärzte, so wie es früher einmal war, wieder hart arbeiten würden, anstatt für jede Stunde Nachtdienst eine Stunde Freizeitausgleich zu nehmen, wären auch wieder mehr Ärzte gleichzeitig im Krankenhaus und sie würden auch wieder mehr verdienen.“ erklärst Du weiter.

Das machte mich dann doch etwas stutzig. Ich habe noch nicht so viele Ärzte kennen gelernt, weißt Du. Die Hebammen, die meiner Mutter geholfen haben, wirkten auf mich weder überbezahlt noch faul. Aber ich verstehe das natürlich. Offenbar ist es gut und wichtig, dass gerade Ärzte und Hebammen überlastet sind und auf keinen Fall zu viel freie Zeit haben. Dann arbeiten sie bestimmt sorgfältiger. Ich merke mir das mal für mein späteres Leben.
Deine nächsten Antworten kann ich natürlich noch nicht beurteilen.

„Unabhängig davon macht Geld allein bekanntlich nicht glücklich und gute Kunst setzt sogar voraus, dass der Künstler arm oder zumindest unglücklich ist. Womit soll sich ein reicher und glücklicher Künstler, der alles hat, denn noch kritisch auseinandersetzen? Worin unterscheidet er sich dann noch von einem vollgefressenen Bürger? Können reiche und glückliche Künstler große Kunst schaffen?“

Zum Glück scheinen die Zusammenhänge sehr einfach zu sein, so dass sie sogar ein kleines Kind versteht. Wer mit seiner Kunst, zum Beispiel, so erfolgreich ist, dass er damit ein reiches und unbeschwertes Leben führen kann, macht keine große Kunst. Das kapier ich. Und kritisch kann man natürlich nicht sein, wenn es einem selbst gut geht. Kritik ist was für arme Opfer. Das leuchtet natürlich ein.
Ich werde das, sobald ich sprechen kann, sofort meiner Mama und ihren Künstlerinnenfreundinnen erklären. Da freuen die sich bestimmt!

Vielen Dank, lieber fremder Mann. Deine Luzie

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Luzie

geboren am 26. Februar 2019 in Bremen
Startkapital: 49 cm
Kampfgewicht 3020 g
Dienstgrad: Familienoberhaupt
Spezialfähigkeiten: Löwengebrüll, Flasche auf ex trinken, Milch und Feuer spucken
Sternzeichen: Fisch Aszendent Krebs
Charaktereigenschaften: gute Beobachtungsgabe, Willensstärke, Widerstandsfähigkeit, Beharrlichkeit

Luzie beobachtet die Welt seit Beginn ihrer Mission genau und hat bereits in der ersten Woche einige Missstände erkannt und bittet um nachvollziehbare Erklärungen der folgenden Fragen:

  • Warum wissen Männer immer alles besser und was denken diese Männer überhaupt wer sie sind?
  • Warum mussten die Hebamme und die Gynäkolgin im Krankenhaus drei Geburten parallel bewältigen?
  • Warum werden Frauen, die helfen, Kinder auf die Welt zu bringen schlechter bezahlt als Männer, die Banken leiten?
  • Ist es in dieser Welt wichtiger, Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen als Kinder aus Bäuchen?
  • Warum zahlt keiner Mamas Rente während des Mutterschutzes und der Elternzeit?
  • Warum sagen immer alle, Papa kann ja eh nichts machen und soll lieber arbeiten gehen? Mein Papa kann einkaufen, Essen machen, wickeln, Flasche geben, kuscheln, mich rumtragen und beruhigen, Mama beruhigen, sich vollkotzen lassen, die Tür aufmachen, mich vermissen, weinen, mich lieb haben, Mama lieb haben. Ist das nichts?
  • Warum sind alle Rückbildungskurse bis Juni schon voll? Soll Mama nicht wieder fit gemacht werden?
  • Müssen wir uns jetzt schon um einen Kita-Platz kümmern? Oder um eine Grundschule? Wieso freuen sich alle über viele Kinder, aber tun nichts dafür?
  • Warum ist es allen immer so wichtig, ob ich ein Mädchen oder Junge bin?
  • Wieso müssen sich Mamas Künstler*innenfreund*innen das Kindergeld von Hartz 4 abziehen lassen? Wieso macht Kunst nicht auch reich?
  • Warum sind alle Anträge so kompliziert, dass noch nicht mal Mama als Muttersprachlerin und Juristin sie richtig ausfüllen kann?
  • Sollte Mama bei zukünftigen Bewerbungen verschweigen, dass es mich gibt? Gilt das auch für Papa?

Antworten bitte asap an mich persönlich oder an diesen Blog.

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eine Nebenbaustelle namens Schuldfrage

Mir fiel in letzter Zeit auf, wie zentral bei Diskussionen über menschenfeindliche Gewalt das „Argument“ zu sein scheint, die Bundeskanzlerin habe uns diese Gewalt eingebrockt, wahlweise sind es manchmal auch die Grünen.
Auffällig daran finde ich, dass es offenbar ohne Logik auskommt und doch offenbar vielen plausibel erscheint. Stellen wir uns vor, ein Fußgänger würde bei der Überquerung einer grünen Ampel von einem Raser erfasst, der seinerseits rot hatte. Es wäre offensichtlich unsinnig, dem Autofahrer die Verantwortung für den Unfall abzusprechen. Genau das aber tun viele offenbar, wenn es um rechte Agitation und Hetze geht: das „musste ja so kommen“, wenn man „so viele“ Ausländer ins Land lässt.
Musste es das? Nein, musste es nicht.

An diesem „Argument“ ist nämlich so ziemlich alles falsch.

Erstens kann nicht die Rede davon sein, dass die Kanzlerin irgendwen herbei gerufen habe.

Die Ereignisse von 2015 sind inzwischen ziemlich gut erforscht und es zeigte sich, dass die Regierung schon im Sommer darüber informiert war, dass etwa 800.000 flüchtende Menschen auf dem Weg nach Deutschland waren. Diese Menschen waren also bereits unterwegs, als Merkel den Satz sagte, den inzwischen so viele für die Ursache der Fluchtbewegung halten. Sie können gar nicht nachträglich deswegen aufgebrochen sein.
Wir haben es also bei der Politik der Bundesregierung zweimal mit einer Reaktion zu tun. Die erste ist die Reaktion auf die Erkenntnis, dass eine große Menge Flüchtender bereits unterwegs ist. Die zweite Entscheidung, nämlich die europäischen Grenzen effektiv und nachhaltig zu schließen, war die Reaktion auf die Erkenntnis, dass die erste Entscheidung von wichtigen europäischen Nachbarn nicht mitgetragen wurde. Die Fluchtbewegung gab es aus anderen Gründen so oder so, sie wurde weder durch die zunächst unterlassene Grenzschließung verursacht, noch durch die später doch erfolgte Grenzschließung verhindert.

Zweitens wäre das, selbst wenn sie es getan hätte, nicht einmal schlimm gewesen.

Es sehr unwahrscheinlich, dass es sowohl den Interessen der deutschen Wirtschaft also auch den Interessen einzelner hier lebender Menschen geschadet hätte, wenn die anfängliche Idee, Europa nicht zu einer Festung zu machen, politisch umsetzbar gewesen wäre. Die Motivation der Kanzlerin liegt auf der Hand: es hätte sich eine Gelegenheit ergeben, das moralisch Richtige mit dem wirtschaftlich Nützlichen zu verbinden. Da waren Menschen, die Hilfe brauchten und zufällig waren das genau die Menschen, die sowohl der deutsche Mittelstand als auch die Rentenkassen dringend brauchten. Nun kann man einwenden, dass das ja das Interesse der Unternehmer sei und nicht das Interesse der arbeitenden Bevölkerung und das stimmt. Durch mehr Menschen erhöht sich schließlich der Druck auf Arbeitsmarkt und Wohnungsmarkt, was Unternehmern und Vermietern in die Hände spielt. Man sollte aber bedenken, dass nicht die ihm unterworfenen Menschen diesen Druck erzeugen, sondern die Marktwirtschaft selbst. Das Argument, dass eine steigende Ausländerzahl schuld an sinkenden Löhnen sei, ließe sich ja auch (wenn man den in ihm versteckten Rassismus entfernt) gegen Deutsche anwenden: Leute, die Kinder in die Welt setzen, erhöhen diesen Druck ja auch. Die richtige Konsequenz wäre also, etwas gegen den Druck zu unternehmen, nicht gegen diejenigen, die ihm auch ausgesetzt sind.

Drittens geht die eigentliche Gewalt ja nicht von Flüchtenden, sondern von Deutschen aus

Die Tatsache, dass es in jeder Grupee von Menschen manchmal zu Gewaltanwendung, meist durch Männer, kommt, wird hier zu einer allgemeinen Bedrohung hochgeredet, für die es keinerlei Anzeichen gibt. Die Bestrebungen der Rechten, Zuwanderer anzugreifen, sind dagegen an einer riesigen Menge von Absichtserklärungen und Delikten klar erkennbar. Wer nicht beide Augen schließt, weiß schon lange, dass etwa ein Fünftel der Deutschen aus verschiedensten Gründen davon überzeugt ist, dass sie Opfer fieser Machenschaften sind und daran irgendwie irgendeine Minderheit schuld ist. Und zwar erstaunlich oft gerade die Sorte Ausländer, die selbst absolut nichts zu melden hat. Diese Mischung aus Faszination am eingebildeten Untergang und Angst vor der eigenen Dummheit lässt sich außerordentlich gut für politische Agitation nutzen. Das tun Leute, seitdem es das Internet gibt, auf äußerst effektive Weise. Die Kernbotschaft lautet: „Fürchte Dich, alle wollen Dir an den Kragen“. Dabei kann gemeint sein, dass ausländische Mächte sich verschworen haben, die Deutschen auszurotten oder dass die Ausländer, wenn man sie hereinlässt, dem deutschen Mittelstand seinen eigenhändig ererbten Wohlstand durch hinterhältige Arbeit abluchsen. Dementsprechend sind es auch eher die Wohlhabenden, die auf diese Art von Angstrhetorik ansprechen.

Von einer tatsächlichen Verschlechterung der Lebensbedingungen durch Zuwanderung sind wir aus zwei Gründen Lichtjahre entfernt: Erstens, weil die Zuwanderung in einem so geringen Maße stattfindet, dass sie demografisch gesehen noch nicht einmal ausreicht, um die schlimmsten Folgen der Überalterung unserer Gesellschaft auch nur zu dämpfen. Zweitens, weil auch starke Zuwanderung ganz generell dazu tendiert, sich positiv auszuwirken¹. Das lässt sich fast überall nachmessen, wo eine starke Zuwanderung über einen längeren Zeitraum der Fall war.
Was sich negativ auswirkt, ist nicht Zuwanderung, sondern politische Agitation, die sich der Angst bedient. Es ist also nicht nur unwahr, dass Merkel irgendeine Zuwanderung verursacht hätte, sondern auch, dass eine solche Zuwanderung die Angst hätte erzeugen können, die die Rechten zur Zeit mit aller Kraft in die Welt setzen.

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Wer hat Angst vor’m weißen Blatt?

Natürlich ist es ein Unterschied, ob es einen Text zu verfassen, eine Skulptur zu formen oder ein Lied zu komponieren gilt, aber die scheinbar schwer zu lösende Aufgabe des ersten Schrittes stellt sich überall. Im Kern ist es wohl die Angst, nichts zu erzählen zu haben. Zwei Dinge fallen mir in Zusammenhang mit dieser Befürchtung häufig auf.

Erstens stellt das sprichwörtliche leere Blatt den Anspruch in den Raum, dass eine Idee aus dem Nichts zu kommen habe. Stimmt das?

Wie Gott soll da ein Genius etwas buchstäblich erschaffen. Das scheint erst einmal logisch. Ein weißes Blatt ist schließlich leer und da soll ja was hin. Die Angst vor dem leeren Blatt als Angst vor der fehlenden Idee, im Grunde die Angst vor dem leeren Kopf.
Offenbar ist die Ansicht hier federführend, es gebe zwei Sorten Mensch:
1) die etwas zu sagen haben
2) die, denen diese Gabe nicht zuteil wurde.
Als sei ein Kopf ein Quell, aus dem Relevanz und kreative Leistung entweder nur so sprudelt oder nicht. Diese Leistung finde, so glaubt man offenbar, innerhalb des Kopfes statt. Sei die Idee dann fertig, purzele sie heraus wie Schokolade aus einem Snack-Automaten. Dieser Irrtum ist verständlich, sieht doch ein volles Blatt stets so aus, als hätte da ein schöpferischer Geist einfach was hin gemacht.
Sogar Menschen, die Erfahrung darin haben, Ideen zu entwickeln, übersehen den Weg dahin erstaunlich oft und erinnern häufig nur die verkürzte Version, ihnen sei etwas „eingefallen“.
Diese Teilanmesie begenete mir einmal besonders eindrucksvoll bei der Zusammenarbeit mit einer Band, die gerade eine beachtliche erste EP veröffentlicht hatte und auf der Suche nach Ideen für das geplante Album war. Die erste EP wirkte bereits gottgegeben und absolut, die vielen Sackgassen und Weggabelungen, die zum fertigen Ding geführt hatten, waren unsichtbar geworden. Verglichen damit erschienen alle Versuche, etwas gleichwertiges zu erfinden, matt. Die euphorische Ignoranz, die erste Schritte befeuern kann, war zudem hin. Ein Gefühl der fehlenden Inspiration beherrschte die Szenerie und ließ sich zum Glück vertreiben, indem ich den Musikern für eine Weile verbot, skeptisch zu sein. Es gibt eine Zeit für Erfindungen und eine Zeit für Kritik.
Die Angst, man hätte eben früher etwas zu sagen gehabt und nun nicht mehr, erwies sich dann natürlich als völlig unbegründet.

Den Ausdruck „etwas zu sagen haben“ finde ich aufschlussreich, weil er mit Sprechen zu tun hat. Ein Gespräch mit einem Gefäß voller „was zu sagen“, das über den Tisch ausgeschüttet wird, wäre aber ein Monolog, der nichts Neues bringt. Sobald ich mir aber Gefäße voller Fragen vorstelle, ist ein Weiterdenken, Spinnen, Ergänzen und Widerlegen denkbar, bei dem das „zu fragen“ am Ende zu etwas „zu sagen“ führt, das es vorher nicht gab.
Wenn wir uns Ideenfindung als die einsame Tätigkeit von weltabgewandten Genies vorstellen, werden wir dem Prozess nicht gerecht, bei dem aus einer Kette von Erfahrungen und Bewertungen ein Idee entsteht. Ideen „haben“ wir ja nicht einfach, wir entwickeln sie. Auch eine spontane Eingebung wächst heran, bis sie uns plötzlich gegenübersteht wie aus dem Nichts.

Die zweite, meiner Meinung nach ebenso wichtige Frage ist die, welche Rolle Ideen überhaupt im künstlerischen Prozess spielen.

Die ist zwar je nach Kunstform unterschiedlich zu bewerten, ich bin allerdings absolut überzeugt davon, dass sie in allen Fällen äußerst marginal ist.
Bei der Festivalkonferenz „Operation Ton“ sah ich ein Gespräch zwischen Frank Spilker (Die Sterne) und H.P.Baxxter (Scooter). Man könnte meinen, unterschiedlicher könnten Künstler nicht sein und das stimmt sicherlich, wenn man die Zielsetzung beider vergleicht. Über den Prozess selbst wurden sich die beiden allerdings schnell einig. H.P.Baxxter antwortete auf die Frage, wie er auf die Zeile „how much is the fish“ gekommen sei, das sei ihm „irgendwie eingefallen“ und er habe sofort gespürt, dass die Zeile eine große Kraft habe. Die Leistung, eine solche Zeile zu erdenken, ist sicherlich fragwürdig, er hätte sie ebenso gut würfeln können. Die anschließende Bewertungsleistung steht allerdings außer Frage: die Zeile war kommerziell gesehen ein überragender Erfolg. Es ist wohlfeil, kommerziellem Techno Banalität vorzuwerfen, weil es dessen Zielsetzung ist, banal zu sein. Ich halte es allerdings für arrogant, die künstlerische Leistung, die darin besteht, die Form zu finden, die dieser Zielsetzung perfekt entspricht, zu leugnen.
Ich finde, an diesem Beispiel ist gut zu erkennen, wie viel stärker ein künstlerischer Prozess von der Bewertung von Ideen geprägt ist als von den Ideen selbst. Wenn ein Werk nicht einfach nur Ausdruck einer momentanen subjektiven Befindlichkeit, sondern allgemein sein soll (wodurch es einem Publikum möglich wird, es als Kunst zu empfinden) ist es nicht gar so wichtig, ob ein Mensch, ein Pflanze oder der reine Zufall die Idee hervorgebracht hat – wichtig ist die Auswahl der Idee. Die Leistung besteht nicht darin, eine einzelne gute Idee zu haben, sondern eine von vielen Ideen als gut zu erkennen.
Diese Bewertungsleistung erfolgt fast immer zu großen Teilen intuitiv, wie Intuition allgemein ist sie das Ergebnis von Erfahrung. Und das ist das Schöne daran:

Erfahrung ist uns nicht gegeben, wir können sie machen.

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P.S. in losem Zusammenhang sehe ich diesen Text.

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Die Story von der gefährdeten deutschen Frau

Meist beginnt es mit der Unterstellung, „die Linke“ habe Scheuklappen.

Man solle sich der Thematik mal ohne Denkverbote nähern heißt es.
Frauen seien nun mal seit 2015 in Deutschland einer größeren Gefahr ausgesetzt, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden als zuvor.

Dumm nur, dass sich das nicht durch Zahlen belegen lässt¹. Macht nichts, dann geht der Nachweis eben so: Wer aus einer Gesellschaft komme, in der Frauen weniger gelten, behandle sicherlich deutsche Frauen gewalttätiger.
Es handelt sich also mindestens um eine Projektion in die Zukunft. Was nicht messbar ist, kann ja noch messbar werden. Eine solche Vermutung ist naturgemäß nicht leicht vom Ressentiment abzugrenzen. Gerade in Zusammanhang mit der Forderung, sich an Fakten zu halten, finde ich das fragwürdig – aber natürlich lässt sich nicht widerlegen, was noch nicht stattfindet.
Daher möchte ich hier lediglich die Logik unter die Lupe nehmen.

Die Grundannahme lautet offenbar, dass Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis nach Deutschland kommen, selbstverständlich vorhaben, ihre Kultur hier allgemein durchzusetzen.

Dabei geht es nicht um irgendwelche Folklore, sondern ums Eingemachte: den Platz der Frau in der Gesellschaft. Obwohl eine ungleiche Rollenverteilung der Geschlechter, wie sie der Koran vorgibt, überhaupt nicht bedeuten muss, dass eines der Geschlechter verachtet oder misshandelt wird, ist eine solche Trennung natürlich sexistisch und wird deswegen in Deutschland seit einigen Jahrzehnten zurecht als falsch angesehen.
Es ist uns geläufig, auf ferne Länder zu schauen und ganz selbstverständlich zu fordern, dass diese Gesellschaften sich besser heute als morgen zu ändern haben. Wir nehmen uns stets das Recht heraus, nicht nur deren Regeln zu missbilligen – was in Ordnung ist, es sind ja nicht unsere. Unsere Haltung ist darüber hinaus immer fest mit der Vorstellung verknüpft, dass kein Mensch ernsthaft eine andere gut finden könne als die, die wir aktuell gerade favorisieren. Wir können uns nicht ausmalen, dass Menschen zu derart grundlegenden moralischen Fragen eine abweichende Meinung haben. Die müssen entweder krank oder unterdrückt sein. Wir wollen dann natürlich helfen.
Das ist die Haltung, mit der wir unsere „westlichen“ Werte in die Welt tragen. Dass der Export dieser Ideen vermutlich nicht funktioniert, wenn wir ihre Umsetzung einfach mit der Arroganz einer Weltpolizei verlangen, sei mal dahingestellt.

Das westliche Weltbild ist an Überheblichkeit ja kaum zu überbieten: unsere Moralvorstellungen sind universell, andere sind falsch. Selbstverständlich fordern wir also, dass alle Welt sich fügt.

So gesehen ist es verstehbar, wenn die Angst aufkeimt, dass auch Orientalen sich in Europa so aufführen könnten. Falsch gedacht. Es gibt nämlich keine Hinweise darauf, dass die das wollen. Die paar missionarischen Eiferer, die alle Religionen hervorbringen, als Maßstab zu nehmen, halte ich angesichts dessen, dass wir über Kriegsflüchtlinge sprechen, für nicht angemessen. Wenn wir im Gegenzug auch den Teil der Zugezogenen außen vor lassen, die ihre Religion überhaupt nicht zum Maßstab ihrer Handlungen macht, können wir uns vielleicht mal einen Blick auf die sehr große Gruppe erlauben, die im Privaten muslimisch geprägt ist und sich dem Generalverdacht ausgesetzt sieht, sie wolle uns islamisieren. Das sprichwörtliche Kopftuchmädchen. Das tut nichts, außer eine Regel zu befolgen, die nicht die unsere ist. Eine Missachtung unseres Anspruches, dass unser aktueller Zeitgeist universell und absolut gültig zu sein habe. Mehr ist das nicht. Wir wollen dieses Mädchen gerne barhäuptig sehen und sind erbost, dass es sich nicht fügt. Übergriffig ist in diesem Fall nicht das Mädchen, wir sind es, und wir sollten es in gewissen Grenzen auch sein. Wir wollen ja, dass unsere Vorstellung von Weiblichkeit in Deutschland allgemein gilt. Deswegen halte ich es persönlich durchaus für sinnvoll, das Tragen von Kopftüchern zum Beispiel an Schulen zu untersagen, das fördert die Idee der Gleichberechtigung. Wir haben also Recht und Grund, unsere Moralvorstellung durchzusetzen – und wenn wir dabei nicht zu rabiat vorgehen, klappt es auch. Die MigrantInnen haben dieses Recht nicht, sie können nur fordern, dass die Gesellschaft ihnen gestattet, bestimmte Traditionen zu bewahren. Allen voran ihnen selbst ist klar, dass genau dort ihre Gestaltungsmöglichkeit aufhört. Wie sollte ihnen das auch entgehen.

Eine Gefahr ist also weder praktisch noch theoretisch zu greifen.

Noch nicht einmal wir, die wir so überzeugt von unserem momentanen willkürlichen Stand der Ethik sind, würden in ein muslimisches Land einwandern und einfach anfangen, den Frauen die Tücher vom Kopf zu zerren. Wir würden das zwar für richtig und nötig halten (weil wir es uns durchaus niemals nehmen lassen, andere Kulturen zu bevormunden), aber wir würden es nicht tun. Weil wir es sehr wahrscheinlich trotzdem vorziehen, das dortige Gesetz zu achten. Sogar die durch lange koloniale Tradition übermächtige europäische Selbstherrlichkeit taugt nicht zu einem derart praktischen missionarischen Eifer. In Deutschland ansässigen Muslimen unterstellen wir aber, dass sie weder schnallen noch würdigen, dass die hiesigen Gesetze eine Gleichberechtigung vorsehen? Wie kommen wir darauf, dass schon eine nicht hundertprozentige Assimilation gleichbedeutend sein soll mit Ignoranz anderen Vorstellungen gegenüber und dem Eifer, alle zu bekehren?

Der Islam lehnt eine Gleichstellung ab und das entspricht nicht unserer Vorstellung. Das ist im Grunde schon die ganze Story.

Gewalt gegen Frauen folgt daraus noch lange nicht.
Es ist ja klar erkennbar, dass aus muslimischen Regionen zugewanderte Menschen zu einem großen Teil der im Koran vorgezeichneten Ungleichbehandlung von Mann und Frau folgen. Diese Ungleichheit wurde in Deutschland erst vor etwas mehr als einer Generation rechtlich, wenn auch nicht unbedingt praktisch abgeschafft. Inzwischen können sich alle außer der AfD auf die Gleichstellung von Mann und Frau als Ziel einigen. Und das, obwohl unzählige deutsche Männer (und einige deutsche Frauen) in einflussreichen Positionen viel dran gesetzt haben, das zu verhindern.

Indes gibt es keine Hinweise darauf, dass auch nur eine halbwegs nennenswerte Anzahl Nichtdeutscher dasselbe vorhat. Auch muslimische Männer werden zwar nicht freiwillig auf ihre persönlichen Privilegien verzichten. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass sie vorhaben, die deutsche Gesellschaft zu unterwandern. Sie wollen eben selbst nicht so gerne unterwandert werden, wer will das schon. Wir sollten und werden sie aber unterwandern und das ist gut so. Ich sehe überhaupt kein Problem darin, die gegen Frauen gerichteten Bestrebungen auch des muslimischen Teils der patriarchalen Männlichkeit in die Schranken zu weisen. Da gibt es Einiges zu tun. Das wäre im Interesse der Frauen, die Opfer von Gewalt durch muslimische Männer werden können: nämlich der muslimischen Frauen.
Ich finde aber, wir könnten ruhig mal aufhören uns darüber zu belügen, wer hier wessen Kultur ändern will und wird.

Es gibt weder faktisch noch logisch eine Veranlassung, eine Gefährdung „der deutschen Frau“ durch „den Islam“ zu fantasieren.

Es sei denn, man bezweckt damit etwas.

Fußnote:
¹) Gewalt gegen Frauen findet fast ausschließlich zu Hause statt. Misshandelt werden Frauen nahezu immer vom eigenen Partner. Die Gewalt geht zu etwa zwei Dritteln von deutschen Staatsbürgern aus, zu etwa einem Drittel sind es Täter ohne deutschen Pass. Das ist mehr als der Anteil der ausländischen Staatsbürger an der Gesamtbevölkerung, gibt also Anlass zur Sorge. Allerdings sind auch die Opfer von Gewalttaten zu einem ganzen Drittel keine deutschen Staatsbürgerinnen, was genau so hoch über dem Schnitt liegt. Kombiniert mit der Tatsache, dass Gewalttaten an Frauen in der Regel innerhalb der Familie verübt werden, ergibt das Sinn. Männer ohne deutschen Pass schlagen Frauen also häufiger als Männer mit deutschen Pass. Soweit so schlecht. Sie schlagen aber fast nie deutsche Staatsbürgerinnen, die werden in guter deutscher Tradition immer noch von ihren eigenen Männern misshandelt.
Seit Jahrzehnten werden (leicht rückläufig) jedes Jahr etwa 300 Frauen getötet, das ist immerhin fast eine pro Tag. Die meisten sind, wen wundert’s, deutsch und werden von deutschen Männern getötet. Unter den Opfern sind aber auch (gemessen am Geamtbevölkerungsanteil) überproportional viele ausländische Staatsbürgerinnen, die mehr oder weniger alle von ihren ausländischen Ehemännern getötet werden. Diese Opfer sind der Öffentlichkeit meist egal. Dass eine deutsche Frau von einem ausländischen Staatsbürger getötet wird, kommt außerordentlich selten vor – diese wenigen Fälle landen aber stets auf den Titelseiten der Boulevardpresse. Das Klima der Angst, das dadurch entsteht, hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun.

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Warum Denkverbote nichts taugen

Erstens ist Denken nützlich.

Wer nicht denkt, bleibt seinen Impulsen ausgeliefert.
Neid, Wohlwollen, Angst, Zuversicht, Hass, Liebe etc. gründen auf Urteilen. Diese Urteile übernehmen wir zu einem großen Teil völlig ungefiltert, während wir aufwachsen. Zu einem anderen Teil haben wir sie im Laufe des Lebens selbst gebildet. Urteile sind, auch wenn sie unbewusst wirken, zunächst einmal irgendwann gefällt oder akzeptiert, also mindestens wahrgenommen worden. Wir haben sie entweder selbst erdacht oder wir haben sie übernommen, indem wir nicht nachgedacht haben. Das Denken spielt in beiden Fällen eine absolut zentrale Rolle.

Es ist ja gut gemeint, wenn gefordert wird, man solle menschenfeindliche Gedanken nicht denken.

Das ist aber nicht eigentlich Kern der Forderung. Der lautet vielmehr, man solle menschenfeindliche Gefühle nicht fühlen. Psychologen wissen, dass Gefühle nur überwunden werden können, wenn sie erkannt, also gedacht werden. Sie sind nichts anderes als versteinerte Gedanken. Ich meine damit, dass eine Summe von Urteilen über viele Jahre eine emotionale Grundverfassung erzeugt, die im günstigsten Fall sehr stabil ist. Ein widerlegtes Urteil kann zwar vom Verstand schnell als falsch erkannt werden, die Emotion ändert sich aber zunächst nicht. Wenn wir nun fortfahren zu denken und wiederholt erkennen, dass unser neues Urteil richtiger ist als das alte, passt sich die Emotion langsam an, das zeigt die Erfahrung.
Wir können nur verhindern, dass unsere Emotionen uns beherrschen, indem wir sie denken und wieder denken.

Nun ist ein Denkverbot zwar theoretisch nur ein Verbot ganz bestimmter Gedanken und nicht eine Aufforderung, ganz mit dem Denken aufzuhören.

Leider funktioniert das in der Praxis aber nicht. Um zu erkennen, dass ein Gedankengang einen logischen oder faktischen Fehler enthält muss er ja erst einmal gedacht werden. Es bringt überhaupt nichts, wenn ich anhand eines Impulses wie zum Beispiel „die Ausländer sind schuld“ in Schockstarre verfalle und aus lauter Scham das bisschen Denken, das da stattgefunden hat, auch noch einstelle. Vielmehr wäre es wichtig, genau an diesem Punkt mit dem Denken anzufangen.
Wer sind die überhaupt, was ist es genau, woran sie schuld sein sollen, wie funktioniert dieses Verschulden wohl, was könnte eigentlich Ursache sein für das, was ich diesen Menschen gerne übel nehmen möchte, woher kommt überhaupt mein Interesse, ihnen etwas übel zu nehmen? Und so weiter.
Ich glaube, es ist ein sehr schwerwiegender Fehler, Gedanken zu verbieten. Wir verbauen uns damit die Option, sie zu widerlegen.
Stattdessen geschieht Folgendes:
eine Kritik, die einen abstrakten Gedanken sachlich hätte treffen können, wendet sich emotional gegen die reale Person, die ihn denkt. Die fühlt sich angegriffen, gerät in die Defensive, fordert für sich verständlicherweise das Recht, ja wohl eigenständig denken zu dürfen und meint damit aber leider das exakte Gegenteil: das Recht, einen falschen Gedanken nicht zu Ende zu denken, sondern darauf zu beharren. Das Recht also, nicht zu denken. Willkommen in der Quadratur des Kreises.

Zweitens ist Denken positiv.

Das Denkverbot folgt einer negativen Logik, die unter anständigen Mitbürgern grassiert. Was rechtsextreme Agitatoren äußern, sei abzulehnen, weil man ja gesehen habe, wohin das führt. Dieser Fokus lenkt fast vollständig davon ab, was da gelogen und zurechtgezimmert wird. Es geht überdies nicht mehr darum, eine Welt zu denken, in der wir uns wohl fühlen.
Die Vermeidung eines nächsten Faschismus ist ein in Buchstaben gegossenes Erstarren des Kaninchens vor der Schlange.
Wir sollten indes nicht annehmen, dass die Rechten nicht denken. Meiner Ansicht nach bestehen sie zum einen Teil aus Verbreitern der Botschaft, die es zwar besser wissen, aber einen Zweck verfolgen und zum anderen Teil Empfängern der Botschaft, die sich zwar emotional bestätigt fühlen, aber in der Sache irren.
Rechte Agitation lebt aber nicht von Logik, sondern von Angst. Die Emotion, derer sich die Rechten bedienen, ist Verunsicherung und das Gefühl bedroht zu sein. Sie folgt einem Radfahrerprinzip: nach oben buckeln, nach unten treten. Das rechte Weltbild phantasiert eine Bedrohung der „Volksgemeinschaft“ von außen, indem es bestimmte Gruppen willkürlich als nicht zugehörig und gefährlich einstuft. Angst wird als agitatorisches Kapital verwendet, während man andererseits selbst Schrecken verbreitet, sobald die Macht dazu ausreicht. Die Rechte surft auf der Angst, sie ist ihre stärkste Waffe: aus ihr folgt der Wunsch nach einer starken Führung, die sie dann netterweise gern übernehmen.

Denkverbote sind Angst.

Genau genommen sind Denkverbote die fleischgewordene Angst, einen Gedanken nicht widerlegen zu können oder gar zu wollen. Aber wir sollten es im eigenen Interesse wollen und wir können es.
Stattdessen wähnen wir uns in einer verzweifelten Lage. Scheinbar gibt es nichts Wichtigeres als Vermeidung. Wir müssen die Rechten bremsen, wir müssen verhindern, dass es wieder so weit kommt. In all dem steckt ein zutiefst negativer Ansatz. Es scheint als habe alle Welt vergessen, sich um die Gestaltung der Zukunft zu kümmern. Die Rechten geben vor, verhindern zu wollen, dass man „uns“ von „außen“ angreift, wir anderen wollen verhindern, dass die Rechten das tun, was sie so gern täten: Macht ausüben. Am Ende gelingt es Ihnen sogar noch, ihren Willen zur Macht als zukunftsweisende Vision darzustellen, und das nur, weil der Willen zur Gestaltung allerorten durch die viele Verhinderung blockiert ist.

Eine Zwickmühle.

Ich glaube nicht, dass wir da raus kommen, indem wir die Unanständigkeit dessen, was die Nazis taten und tun, wie eine Monstranz vor uns her tragen. Wir sehen, wohin dieser Hase läuft: sobald die NS-Vergangenheit das einzige Argument ist, wird es eine äußerst wirksame Waffe, sie einfach wieder und wieder zu relativieren. Und genau das tun sie. So richtig und wichtig Erinnerungskultur ist, wir sollten uns nicht davon abbringen lassen, selbst etwas zu wollen. Außerdem ist eine Argumentation, die darauf abzielt, rechte Standpunkte durch ihre Nähe zum Nationalsozialismus zu diffamieren, zwar wohlfeil, spart aber am falschen Ende.
Sie ist nur scheinbar eine Argumentation: inhaltlich wirksame Einwände kommen in ihr nicht vor.

Dabei wäre es natürlich auch dann nicht sinnvoll, Flüchtende in Lager einzusperren, wenn das die ersten Lager in der Geschichte wären. Die öffentliche Gleichsetzung Millionen friedlicher Menschen mit einer Handvoll Mördern aufgrund ihrer Religion wäre auch dann nicht richtig, wenn Göbbels niemals eine Rede gehalten hätte. Die These, die „deutsche Rasse“ sei durch Vielfalt dem Untergang geweiht, würde um keinen Deut begründbarer, wenn der Holocaust nicht stattgefunden hätte.

Niemand sollte aufhören zu denken, zu keiner Zeit und erst recht nicht jetzt.

Ich glaube nicht, dass wir aus der Zwickmühle heraus kommen, indem wir in der Defensive bleiben. Wenn wir uns darauf konzentrieren, den nächsten Schritt der anderen zu verhindern, bleiben sie uns immer einen Schritt voraus. Wir sollten selbst mehr Schritte tun. Es gibt schließlich eine Welt zu gestalten.

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